Die Kulturschaffenden, die hinter dem Projekt MULTIPISTES stehen, sind ausgewiesene Fachleute im Bereich der populären Musik. Sie sind mit den Vorgehensweisen, dem Publikum,
den Verantwortlichen und den Gepflogenheiten ihrer Region bestens vertraut. Sie sind am Puls des Geschehens und analysieren die Trends der Musikbranche – einer Branche in der sich Kultur und Wirtschaft mehr und mehr überlagern.

Durch die Zusammenarbeit bündeln die Projektpartner ihre Kompetenzen und Mittel zugunsten der gemeinsamen Vision: der länderübergreifenden Strategie für eine Entwicklung, die die Region widerspiegelt und auch über ihre Grenzen hinaus an Einfluss gewinnt. Ein solches Vorhaben kann nur durch Fachkenntnisse und gegenseitige Unterstützung gelingen.

ZAHLEN UND FAKTEN ZU MULTIPISTES

  • Budget: 2 Mio. € für 30 Monate, zu 50 % mitfinanziert durch den EFRE
  • mehr als 300 Maßnahmen vor Ort an 10 Veranstaltungsorten der Großregion
  • 50 Musikprojekte werden über die Gesamtdauer des Projekts begleitet
  • 150 Sendeeinrichtungen beteiligen sich an der Betreuung der Künstler
  • 2.800 Stunden lang werden die Arbeitsräume den Musikern zur Verfügung gestellt
  • 350 Stunden werden in die Ausbildung der Profis gesteckt > 15.000 € werden durchschnittlich für jedes Einzelprojekt aufgewendet
  • 6 länderübergreifende Aufenthalte pro Gruppe im Maßnahmenkatalog Entwicklung
  • 2 von 3 Bands haben ein Album oder eine EP produziert.
  • 1 von 2 Bands hat ihr direktes umfeld ausgebaut : im Bereich Ton und Lichttechnik ; im Bereich Verwaltung und Management.
  • 1 von 2 Bands hat connections zu professionellen Akteuren der Branche. 

Das Projekt MULTIPISTES gliedert sich in 4 Aktionsbereiche:

1. NETWORKING

OPERATIVE ZUSAMMENARBEIT DURCH VERNETZUNG

Die gezielte Zusammenarbeit der Projektpartner ist unerlässlich zur Bündelung der vielfältigen Kompetenzen. Nur so können die Erfahrungen und Kontakte jedes Partners allen zur Verfügung stehen.

Um die Zusammenarbeit zu gewährleisten, finden regelmäßige Treffen statt und es wurden folgende Einrichtungen geschaffen:

Ein Online-Tool für den raschen Informationsaustausch, das Monitoring und die Bewertung des Gesamtprojektes.

Eine gemeinsame, ständig aktualisierte Datenbank erfasst die Beteiligten und dient daneben der Beobachtung und anschließenden Auswertung des Projekts und der Zielgruppen.

Ständiger und offener Austausch zur Koordinierung und Ideenfindung:
Projektsteuerung und –lenkung seitens der Projektpartner

und ihrer Teams;
Brainstorming-Sessions, in denen die Partner mit fachlicher

Unterstützung Entwicklungsperspektiven der Branche

erkunden und aufzeigen;
Ständige Weiterentwicklung: Im Rahmen eines Meetings am

Ende jedes Jahres werden neue Ideen und Ansätze entwickelt, ausgehend von den gesammelten Erfahrungen in den laufenden Projekten.

Ein Internetportal macht das Projekt und seine Erfolge öffentlich bekannt. Hier finden sich u.a. umfangreiche Hintergrundinformationen zur Musikbranche, die in alle Sprachen der beteiligten Regionen übersetzt werden.

2. BEGLEITUNG MUSIKALISCHER

PROJEKTE

UNTERSTÜTZUNG KÜNSTLERISCHER PROJEKTE VON DER ENTSTEHUNGSPHASE BIS ZUR PROFESSIONALISIERUNG

Vielversprechende Musikgruppen werden über
zwei unterschiedliche Programme, sogenannte „Maßnahmenkataloge“, gefördert: Im Rahmen des Maßnahmenkatalogs „Entwicklung“ wird aufstrebenden Künstlern eine weiterführende berufliche Orientierung angeboten, die den Beruf des Musikers von allen Seiten beleuchtet. Im Rahmen des Maßnahmenkatalogs „Talentschmiede“ werden Künstler, die bereits erste professionelle Erfahrung mitbringen, bei der weiteren Professionalisierung unterstützt.

MAßNAHMENKATALOG ENTWICKLUNG

Die ausgewählten Gruppen erhalten eine umfassende berufliche Orientierung, die alle Aspekte der Projektentwicklung und Professionalisierung abdeckt.

Der Schwerpunkt aller Maßnahmen liegt in der Praxis. Die gemeinsame Grundausbildung vermittelt technisches Wissen und Arbeitsmethoden und gliedert sich in einzelne Module zu den Themengebieten Proben, Bühne, Aufnahme und Konzert. Im Rahmen des Projekts werden weitere Begegnungen mit Profis der Branche organisiert, die aus der Praxis erzählen und einen realistischen Einblick in die Berufsprofile und branchenüblichen lokalen oder allgemeinen Praktiken geben.

Zum Schluss sollen fördernde Maßnahmen und Weiterempfehlungen durch die Projektpartner an ihre jeweiligen Netzwerke den Gruppen zu bezahlten Engagements und strategischen Auftrittsmöglichkeiten verhelfen.

MAßNAHMENKATALOG TALENTSCHMIEDE

Wer Karriere machen möchte, muss auf der Bühne überzeugen. Im Rahmen der Künstlerresidenz stellen die Projektpartner
den Gruppen ihre technische Ausstattung und ihr Knowhow zur Verfügung um den Bühnenauftritt zu perfektionieren, und helfen bei der Vorbereitung einer Tournee. Die Kosten dieser Künstlerresidenz werden vollständig vom Projekt getragen.

Der nächste Schritt betrifft Promotion & Kommunikation der geplanten Tournee: gezielte Hinführung zu finanziellen Mitteln und effizienten PR-Möglichkeiten, die im realen Markt eingesetzt werden.

Im Bereich Mobilität & Auftrittsmöglichkeiten bieten die Projektpartner logistische Unterstützung bei der Vorbereitung der Tournee und stellen Sach- und Dienstleistungen. Daneben werden materielle und immaterielle Anreize gesetzt, um die Chancen der Gruppen auf Engagements zu erhöhen. Die Gruppen werden an geeignete Veranstalter empfohlen und ein Teil der Künstlergagen wird übernommen.

3. WISSENSFUNDUS

SAMMELN UND NUTZBARMACHEN VON FACHWISSEN IN MEHREREN SPRACHEN

Die im Rahmen des Projektes zusammengetragenen Fachinhalte und Erkenntnisse sollen nicht verloren gehen. Sie werden aufbereitet und der gesamten Branche zur Verfügung gestellt.

Den Input hierfür liefern ebenso die Projektpartner selbst, indem sie relevante Themengebiete und Erfahrungen aufzeigen. Diese werden in geeigneter Form verarbeitet und verbreitet: Neben „akademischeren“ Fachdokumenten sind vor allem audiovisuelle Medien – aufgrund ihrer Nähe zur Musik – besonders geeignet.

Das so nutzbar gemachte Fachwissen wird nicht nur auf Ebene der Großregion flächendeckend verbreitet. Über die weitverzweigten nationalen und internationalen Kontaktenetzwerke der Projektpartner erreicht es ein internationales Publikum.

Dabei wird unterschieden zwischen einem permanent von den Projektpartnern angereicherten „Fundus“ an Fachwissen, und einzelnen Fachthematiken, mit denen jeweils externe Spezialisten beauftragt werden.

Online verfügbare Informationen:

• Ein Jahrbuch
• Themenspezifische Unterlagen für den professionellen Gebrauch • Informationsblätter für die Zielgruppen
• Hintergrunddokumente und Beiträge
Audio-, visuelle und audiovisuelle Inhalte
• Thematische Kurzclips für PR-Zwecke

(30 Sekunden – max. 2 Minuten)
• Kurzreportagen zur Berichterstattung (bis 6 Minuten)
• Längere Reportagen für didaktische Zwecke (bis 26 Minuten)

4. ENTWICKLUNG EINER FACHAUSBILDUNG
VERMITTLUNG BRANCHENÜBERGREIFENDER KOMPETENZEN

Das Projekt MULTIPISTES ist so erfolgreich, weil es die Fachkompetenzen vieler Einzelakteure zusammenführt und damit eine Marktlücke schließt. Jungen aufstrebenden Künstlern kann so zu einem erfolgreichen Karrierestart verholfen werden. Auch nach Projektende soll diese „Ausbildungsfunktion“
weiter bestehen können. Hierzu entwickeln die Projektpartner einen Ausbildungsplan, der sich an alle Projektbeteiligten der Großregion richtet.

Dabei werden einerseits die im Rahmen des Projektes erfolgreich durchgeführten Maßnahmen (Best Practice) der Begleitung
von Musikprojekten weitervermittelt. Andererseits richtet sich die Ausbildung auch an Manager und Veranstalter. Ziel ist es,

die Mobilität von Werken und Künstlern zu erhöhen und die grenzübergreifende Zusammenarbeit sowie den gegenseitigen Austausch zu fördern.

Art und Umfang des Projektes MULTIPISTES machen
somit deutlich, dass in zwei Bereichen vorrangig Bedarf an Fachkompetenzen besteht: die Gesamtbegleitung musikalischer Projekte sowie die Förderung der Mobilität von Künstlern und Werken.

Die darauf zugeschnittene Ausbildung steht ganz im Zeichen
des lebenslangen Lernens und wendet sich an Akteure mit vermittelnder Rolle zwischen Markt und Künstlern (letztere bilden das „Zielpublikum“ des Projekts) in der Großregion.

Gesamtbegleitung musikalischer Projekte

Die Begleitung basiert auf drei Schlüsselrollen:

• Projektbegleitung
• Musikalische und szenografische Begleitung

(Bühnendesign)
• Technische Beratung

Diese Funktionen ergänzen einander zu einer „Rundum“- Begleitung. Die Ausbildung beginnt mit einer theorieorientierten Grundausbildung, die für alle Profile gleich ist, und wird durch eine praxisnahe Spezialisierung ergänzt, indem die „Auszubildenden“ Kollegen aus der Branche in ihrer täglichen Arbeit begleiten („Compagnonnage“, wörtlich „Gesellenzeit“).

Mobilität von Künstlern und Werken

Damit reife musikalische Projekte über die Landesgrenzen hinaus fortbestehen und begleitet werden können, bedarf es besonderer Kenntnisse über die Trends und Methoden in den jeweiligen Nachbarländern. Diese sollen den – kommerziellen und nicht kommerziellen – Akteuren der Branche im Rahmen einer eigenen Schulungsreihe in den vier beteiligten Ländern vermittelt werden. Somit sollen Hindernisse der Mobilität von Künstlern und Werken in beide Richtungen („Import“ und „Export“) abgebaut werden. Die Schulungen richten sich an Personen mit Management- Funktionen aus der Privatwirtschaft (Produzenten, Promoter, Manager, Tourneeveranstalter, Verleger, Vertreiber etc.) und

dem institutionellen Bereich (institutionelle Kulturveranstalter, Gebietskörperschaften, Organisatoren gelegentlicher Veranstaltungen/Aufführungen). Ein besonderes Augenmerk wird hierbei auf Austausch und Vernetzung gelegt.

MULTIPISTES-WORUM GEHT ES? EIN PAARBEGRIFFSKLÄRUNGENVORWEG

Das französischeKulturministerium verwendetdie Bezeichnung„AktuelleMusik“alsOberbegrifffürdie verschiedenenaktuellenMusikströmungen.Dazuzählen Jazz,Rock,Hip-Hop,Weltmusik,sowietraditionelleund elektronischeMusik.

InBelgienwerdendieseMusikrichtungenmitunterauchals „nichtklassisch“bezeichnet,imGegensatzzursogenannten Musik„derépertoire“,dieaufderInterpretationschriftlicher Partiturenberuht.

InDeutschlandistderBegriff„populäreMusikgeläufig; inAbgrenzungzurGattungdersogenannten„E-Musik“bzw. „Kunstmusik“-derenAusübungakademischeVorkenntnisse erfordert.

InLuxemburgisthäufigvon„musiquesamplifiées“ („elektronischverstärkteMusik“)dieRede.Dieelektronische VerstärkungisteinwesentlichesMerkmalderaktuellenMusik. IndersoziologischenLiteraturwirdfürdieaktuelleMusikder englischeBegriff„popularmusic“verwendet.

SounterschiedlichdieseBegriffeauchsind,sieallebeziehen sichaufdieMusikrichtungen,dieimZentrumdesProjekts MULTIPISTESstehen.

POPULÄRE MUSIK : GEGENWÄRTIGE

SITUATION IN DER GROSSREGION

Die aktuellen Musikrichtungen gehören zu den beliebtesten populären Ausdrucksmitteln der jungen Generationen,
die nach Aufkommen der Rockmusik auf die Welt kamen.
Die weltweite Dimension der Rockmusik, und der nachfolgenden Musikrichtungen, haben die Entstehung populärer Jugendkulturen begleitet. Sie sind heute in allen Generationen und Gesellschaftsschichten präsent und nicht mehr wegzudenken. Die Zugänglichkeit der Musik – ob über das Radio, Tonträger, Internet oder Konzerte – hat zahlreiche junge Menschen ermutigt, selbst zur Gitarre zu greifen. Die allgemeine Verbreitung und Integration neuer, unverzichtbarer Technologien (elektrische Verstärkung, Wiedergabetechniken, digitale Technologien) hat diesen Trend gefestigt und eine große Anzahl von begabten, autodidaktischen Gruppen hervorgebracht.

Gleichzeitig ist die Branche sehr heterogen. Am Scheideweg zwischen Kultur und Musikindustrie umfasst sie eine Vielzahl von Organisationsformen, die von multinationalen Konzernen über Vereine und institutionelle Einrichtungen bis hin zu Kleinunternehmen reicht.

Die wirtschaftliche Schieflage der letzten Jahre stellen das vorherrschende Wirtschaftsmodell nun in Frage. Der kommerzielle Sektor setzt daher auf „Schnelle Verwertbarkeit» – kurzfristige Erfolge statt Innovation und Kreativität – sehr zum Nachteil innovativer Gruppen, die eine längere Aufbauphase benötigen und mit zunehmend prekären Verhältnissen
zu kämpfen haben. Der musikalische Durchbruch, gute Zukunftsaussichten, Beschäftigungsmöglichkeiten und angemessene Löhne rücken für sie in weite Ferne. Diese Feststellung machen alle Branchenkenner.

Das künstlerische Potenzial des Gebiets steht außer Zweifel. Wenn eine grenzüberschreitende konzertierte Politik umgesetzt wird, die diesem zu seiner Entfaltung verhilft, können kurzfristig Auswirkungen erzielt werden.

Das künstlerische Potenzial der Großregion steht außer Zweifel. Das Projekt MULTIPISTES möchte dieses erschließen, denn nur durch eine grenzübergreifende, abgestimmte Politik könnten bereits in kurzer Zeit erste Ergebnisse erzielt werden.

In der Großregion sind ausreichend Veranstaltungsorte vorhanden; wenngleich die Auftrittskonditionen mitunter sehr unterschiedlich sind. Für regionale Gruppen außerhalb der vorherrschenden Musikrichtungen gestaltet sich der Einstieg ins Berufsleben durch Auftritte jedoch schwierig.

Ein möglicher Grund dafür ist ein Mangel an Personen mit Managementkompetenzen in der Großregion, wodurch gute Musikprojekte in Sachen Exportperspektiven und Professionalisierung das Nachsehen haben.

MULTIPISTTES : GRENZÜBERGREIFENDE ZUSAMMENARBEIT

Die Musikbranche lebt von ihrem Publikum. Mit über 11 Millionen Einwohnern und einer einmaligen Lage am Schnittpunkt von vier Ländern, weist die Großregion ein großes Entwicklungspotenzial auf, das bis heute größtenteils ungenutzt bleibt.

Ziel ist es, durch grenzübergreifende Aktionen für Künstler und deren Zielpublikum Perspektiven zu schaffen. Um ein hochwertiges künstlerisches Angebot in der Großregion zu fördern, muss ein dementsprechendes begleitendes, kompetentes Berufsumfeld geschaffen werden.

Indem es sowohl materiellen als auch immateriellen Mehrwert schafft, möchte das Projekt MULTIPISTES nicht nur die Vielfalt der kulturellen Ausdrucksformen gewährleisten, sondern auch ein effizientes, faires Wirtschaftsmodell auf die Beine stellen, das es allen Akteuren der Branche ermöglicht, ihre Aktivität als berufliche Erwerbstätigkeit auszuüben.

DIE POPULÄRE MUSIKBRANCHE AUS WIRTSCHAFTLICHER PERSPEKTIVE: 

DEFINITION UND PRODUKTION VON MEHRWERT

Der „Rohstoff“ der populären Musikbranche ist das musikalische Medium, das von einer Gruppe geschaffen wird. Diese Gruppe ist eine Unternehmenseinheit mit Entscheidungsautonomie und dem Ziel, gemeinsam ein Produkt zu schaffen, das in zweierlei Form einen Marktwert erlangt:

  • als Repertoire in Form einer geistigen Schöpfung, die den Rechten des geistigen Eigentums unterliegt, auf einen Träger aufgezeichnet werden kann und reproduzierbar ist,
  • als künstlerische Leistung im Rahmen eines Auftritts vor Publikum.
    Die Schaffung populärer Musik orientiert sich an diesen beiden Punkten.
    Bei der anschließenden Verwertung der Produktion werden komplementäre Kompetenzen anderer Fachleute der Branche miteingebunden. Sie nehmen eine Vermittlungsfunktion zwischen der Gruppe und dem Zielpublikum ein.
    Produzenten, Manager, Veranstalter, Labels und Musikverleger übernehmen die Vermarktung und Verbreitung des Repertoires und der künstlerischen Darbietung der Gruppe, um somit Einkünfte zu erzielen, die an alle Beteiligten verteilt werden.
    Aus der künstlerischen Unternehmenseinheit wird somit ein Unternehmen, sobald die Gruppe für ihre geleistete Arbeit zufriedenstellend bezahlt wird.